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Dieb oder Liebe?

VON UNSEREM LESERREPORTER / Die Wege des St. Valentin sind geheimnisvoll

Dieb oder Liebe? Grafik: Karl J. Zwierlein

13.02.2021

Augsburg. Dass es bei Beierleins fröhlich zugeht, liegt nicht nur am Jahreswechsel. Inge, die Tochter, schwarzhaarig, 18 Jahre jung, Sekretärin bei Ehren & Sohn, steckt die ganze Familie mit ihrer guten Laune an.

Erstens hat nämlich der Chef das ganze Büro bis nach den Schulferien am 9. Januar geschlossen, und zweitens hat ihr Lieblingsonkel Heinz aus Freiburg Inge für die Zeit zwischen Neujahr und Ferienende zu sich eingeladen. „… und wir fahren dann auch mal in den Schwarzwald und in den Europa Park“, verhieß sein Brief zum Jahreswechsel. Die Vorfreude auf die Reise und die Tage ohne Arbeit im Büro sind schnell vergangen. Und nun ist es soweit! Der Neujahrstag soll ihr Reisetag sein. 

Inge steht mit ihrem kleinen Koffer auf dem Bahnsteig. Und Inges Mama, fürsorglich und ängstlich wie immer, gibt zum x-ten Male gute Ratschläge: „Pass auf deine Handtasche auf! Ist das Geld auch gut weggesteckt? Wo hast du denn die Fahrkarte?“ … Die Mutter meint, die ganze Welt sei voller Diebe. Inge jedoch lächelt nur. Sie freut sich und hat keine Furcht. Warum auch? Der Zug, der einfährt, ist nur wenig besetzt, und Inge hat fast ein ganzes Abteil für sich. Sie beugt sich aus dem Fenster, winkt der Mutter zu, hört zum letzten Male: „Und pass gut auf!“ Dann gibt der Zugführer das Signal und der Zug gleitet aus dem Bahnhof. 

Inge macht es sich bequem. Die Handtasche steckt sie in den Koffer, aus dem sie sich ein Buch als Reiselektüre holt. Geldbörse, Handy und Fahrkarte finden einen sicheren Platz in der Tasche ihres Mantels, den sie wohlweislich anbehält, nicht nur wegen möglichem Diebstahl, sondern auch wegen der Kühle im Abteil.

Schon auf dem nächsten Bahnhof füllt sich der Zug. Bei Inge erscheint ein junger Mann, fragt höflich, ob noch Platz sei und lässt sich neben ihr nieder.

Wie es so kommt auf Reisen, versucht der Fremde alsbald ein Gespräch anzuknüpfen, fragt nach diesem und jenem, erhält jedoch nur kurze Antworten. Inge will lieber lesen als „quatschen“. Vielleicht denkt sie auch an die Warnungen der Mutter vor der Schlechtigkeit auf dieser Welt.

Plötzlich aber wird es fast dunkel im Abteil. Ein Tunnel hat den Zug aufgenommen, und nur die Not-Beleuchtung wirft einen dämmrigen Schein zu Inge und dem Mann neben ihr. Inge hebt den Blick von ihrem Buch, greift automatisch mit der Rechten in die Manteltasche und entdeckt eine fremde Hand in der Tasche! Eine Hand in der Tasche ihres Mantels mit der Geldbörse! Soll sie um Hilfe rufen? Nein! Inge ist ein Kind der modernen Zeit; tüchtig, mutig, resolut. Sie packt die fremde Hand, greift noch fester zu, umklammert sie mit ganzer Kraft und zieht sie schließlich aus der Tasche, fühlt selbst hinein und findet – nichts!

Also, jetzt kommen der jungen Dame doch Bedenken, ob sich nicht ein Räuber oder sonstiger Übeltäter neben ihr niedergelassen hat. Sie sieht hilfesuchend auf den Gang, ob da nicht jemand käme, aber glücklicherweise ist auch schon der Tunnel zu Ende und das Tageslicht erhellt die Szene.

Der junge Mann blickt verwirrt auf Inge. Inge blickt ängstlich und ärgerlich auf den jungen Mann. „Was wollen Sie in meiner Manteltasche?“, fragt sie schließlich, aber sie hört nur als Antwort: „Ihre Manteltasche? – Meine Manteltasche!“ Und tatsächlich: Neben Inges rechter Manteltasche war dicht daran die linke Manteltasche des jungen Mannes platziert, hatten also beinahe Stoffkontakt. Und als Inge in der Tasche ihres eigenen Mantels nachfühlt, befindet sich dort – natürlich – die Geldbörse mit Reisegeld, Handy und Fahrschein. Ein Missverständnis, haha, aber wie peinlich! Inge lacht auf. Doch der junge Mann blickt immer noch verwirrt drein, weil er sich nicht erklären kann, warum sein Nebenan ihn darin hinderte, in die Tasche seines eigenen Mantels zu greifen. „Hat man nicht schon“, denkt er „vielleicht von kriminellen hübschen Diebinnen gehört?“

Es dauert aber nur noch wenige Minuten, bis Inge und der Fremde – er heißt übrigens Ulrich, wie er sich sogleich höflich vorstellt – Klarheit über das Missverständnis gewonnen haben. Nun lachen sie gemeinsam, auch über die Warnungen der Mutter und die Tatsache, dass Diebesangst anscheinend ansteckend sein kann. Das Eis ist jedenfalls gebrochen. Inge legt ihr Buch beiseite und unterhält sich mit Ulrich. Beide erzählen, dass sie – welch Zufall – für ein paar Tage zu Besuch in die Breisgau-Metropole reisen wollen. Und sie tauschen Urlaubserinnerungen und künftige Reisepläne aus.

Munter fließt das Gespräch dahin, und als der Zug – wie im Fluge – Freiburg erreicht, trägt Ulrich Inges Koffer ritterlich zum nächsten Taxi. Bei Ehren & Sohn erscheint eine gut ausgeruhte, fröhliche Inge. Die Kolleginnen stellen aber bald eine bezeichnende Veränderung an ihr fest. Zuweilen blickt sie versonnen aus dem Fenster, und an manchem Nachmittag klingelt für sie das Telefon, und sie verspricht, beim Rendezvous am Vorabend zum 14. Februar pünktlich zu sein. Ob da wohl bei dieser Romanze St. Valentin mitgemischt hat? So scheint es, als behielte Mama Beierlein am Ende doch noch recht. Ihre Tochter begegnete einem Dieb. Nur: Er stahl nicht Geld und Fahrkarte – sondern Inges Herz.

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